25 Jahre Gebietsreform

Kreisfreie Städte und Landkreise

Verfasser: Waldemar Hofmann, Anton Mayr (Amt für Stadtentwicklung)

1. Allgemeines

Die Neugliederung der bayerischen Landkreise und Kreisfreien Städte trat vor 25 Jahren, am 1. Juli 1972, in Kraft. Für die Stadt Regensburg brachte die Gebietsreform zu diesem Stichtag nur einen geringen Zuwachs. Erst die Eingliederungen in den Jahren 1977 und 1978 bescherten der Stadt einen enormen Flächengewinn von fast 27 km2. Das entsprach exakt der Hälfte seiner bisherigen Gebietsgröße (54 km2). Ein ähnlich großer Gebietszuwachs (ca. 24 km2) ergab sich vorher nur noch, als am 1.4.1924 mehrere große umliegende Gemeinden nach Regensburg eingegliedert wurden (siehe untenstehende Übersicht).

Zu Beginn der 70er Jahre wurde in Bayern, wie in den meisten anderen Bundesländern auch, die Gebietsreform vorangetrieben, denn die Größenordnungen der Gemeinden und Landkreise entsprachen "nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Leistungsverwaltung. Im wirtschaftlichen und privaten Bereich sind die alten Grenzen längst gesprengt. Im Interesse einer ausreichenden Daseinsvorsorge und zum Abbau eines Leistungsgefälles zwischen Stadt und Land müssen neue Einheiten geschaffen werden, die in der Lage sind, die Aufgaben zu lösen." Soweit der damalige bayerische Innenminister Dr. Bruno Merk in seiner Erklärung zur Gebietsreform in Bayern, die er als die wichtigste innenpolitische Aufgabe der damaligen Legislaturperiode bezeichnet hat.

Die Gemeindereform zog sich, anders als die Kreisreform, die in einem Zuge zum o.g. Stichtag abgewickelt wurde, über einen längeren Zeitraum hin und wurde bayernweit 1976, in Regensburg aber erst 1978, abgeschlossen. Gab es vor der Reform, zum Stichtag der Volkszählung am 27. Mai 1970, in Bayern noch 7.004 Gemeinden, so waren es am 1. Juli 1972 nur noch 4.406. Heute besteht Bayern noch aus 2.056 Gemeinden. Freiwillige Zusammenschlüsse wurden vom Staat finanziell gefördert.

2. Die Entwicklung des Regensburger Stadtgebietes seit 1818

Zum reichsstädtischen Gebietsstand im Jahre 1818 bedeckte die Stadt eine Fläche von 17,7 km2. Seither hat sich die Stadtgebietsfläche auf über 80,5 km2 vergrößert.

Um die Gründe für die gebietsmäßige Ausdehnung der Stadt im Rahmen der Gemeindegebietsreform besser zu verstehen, ist die Kenntnis der Ausgangssituation von Bedeutung. 1956 wurde von der Stadt ein völlig überzogener "Wirtschaftsplan" verabschiedet, der von ca. 160.000 Einwohnern bis zum Jahre 1975 mit einem Siedlungsflächenbedarf von ca. 6.700 Wohnungen und für die Neuansiedlung von Industrie, Gewerbe und Sonderaufgaben mit ca. 430 ha innerhalb der damaligen Stadtgrenzen ausging. Die 1964 gefällte Entscheidung für den Universitätsstandort bei Karthaus-Prüll hatte jedoch eine Signalwirkung für die Verlagerung der bisher verfolgten Schwerpunkte der Stadtentwicklung. Im Jahre 1971 wurde von der Stadtverwaltung eine "Integrierte Entwicklungsplanung - ein Konzept 1972 bis 1978" vorgelegt, in der der Flächenbedarf für Wohnen, Bildung und Erholung im Süden und für die industrielle Entwicklung im Südosten gedeckt werden sollte. Inwieweit die Stadt ihre Vorstellungen über die weitere räumliche Entwicklung würde verwirklichen können, hing nun entschieden von der anstehenden Gemeindegebietsreform ab. Aus der Sicht der Stadt sollten danach folgende Gemeinden eingegliedert werden: Pentling, Graß, Oberisling, Burgweinting, Harting und Barbing sowie die Gemeinden Lappersdorf, Kareth und Tegernheim.

Die Gebietsreform zum 1.7.1972 brachte mit dem südlichen Gebiet bis zur Autobahn und der Siedlung Burgweinting West nur einen geringen Zuwachs. Insgesamt wurde damals eine Fläche von 198,2 ha und eine Einwohnerzahl von 678 eingegliedert. In der weiteren Folge der Gebietsreform kam dann am 1. Januar 1975 ein unbewohnter Teil der Gemeinde Grünthal mit insgesamt 73,1 ha zur Stadt Regensburg. Damit aber waren die eigentlichen Probleme für die Stadtentwicklung (Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten) noch nicht gelöst. Im Frühjahr 1973 setzte der bayerische Ministerpräsident eine Stadt-Umland-Kommission zur Ausarbeitung von Vorschlägen für eine Neugliederung von Kommunen und Landkreisen ein. In ihrem "Stadt-Umland-Gutachten" vom 15. November 1974 gab die Kommission für den Raum Regensburg folgende Empfehlungen: "Eingliederung der Gemeinden Burgweinting, Oberisling, Pentling und Harting sowie das westlich des Ortskerns gelegene Gebiet der Gemeinde Barbing und eines westlich der Bahnlinie Regensburg-Weiden gelegenen Gebiets der Gemeinde Grünthal in die Stadt Regensburg." Am 1. Juli 1975 legte die Regierung der Oberpfalz ihren Vorschlag zur Neugliederung der Gemeinden vor. Darin enthalten war die Eingliederung der Ortsteile Irl, Irlmauth und Kreuzhof der Gemeinde Barbing (incl. des Osthafengebiets) sowie der Gemeinden Burgweinting, Harting (mit Ausnahme eines kleinen Teilgebiets) und Oberisling. Gegenüber dem Vorschlag der Stadt-Umland-Kommission hielt die Regierung also die Eingliederung der Gemeinde Pentling und des Teilgebiets der Gemeinde Grünthai nicht für notwendig. Daraufhin beschlossen die Gemeinden Oberisling, Burgweinting und Harting, im Rahmen von Eingliederungsverträgen freiwillig der Stadt Regensburg beizutreten, so daß diese Eingemeindungen bereits frühzeitig am 1. Januar 1977 erfolgten. Das Entgegenkommen der Gemeinden wurde von der Stadt insofern honoriert, als sie den neuen Stadtteilen im Eingliederungsvertrag den Fortbestand einiger bestehenden Rechte (Abfallbeseitigung, Übernahme von Bauleitplänen etc.), den großzügigen Ausbau der Infrastruktur bzw. den Erhalt bestehender Einrichtungen sowie die Übernahme des Verwaltungspersonals garantierte. Mit dieser Eingliederung erhöhte sich die Stadtgebietsfläche um 2.090,6 ha und damit um mehr als die Hälfte seiner ursprünglichen Größe. Die Einwohnerzahl der Stadt stieg um 4.152 Personen. Aber auch damit war die Gebietsreform für die Stadt noch nicht abgeschlossen.

In der mit Zustimmung des Landtags erlassenen Verordnung der Bayerischen Staatsregierung zur Änderung von Grenzen der Regierungsbezirke, Landkreise und kreisfreien Städte vom 12. März 1976 fehlte die für die weitere industrielle Entwicklung Regensburgs so wichtige Eingliederung der Barbinger Ortsteile Irl, Irlmauth und Kreuzhof (Osthafengebiet). Eine in Anlehnung an die Entscheidung der Staatsregierung herausgegebene Verordnung der Regierung der Oberpfalz vom 9. April 1976 schrieb in 23 den bestehenden Grenzverlauf zwischen Regensburg und Barbing fest. Das Interesse der Stadt Regensburg am westlichen Teil der Gemeinde Barbing gründete sich auf zwei Vorgaben:

Die künftigen gewerblich-industriellen Entwicklungsmöglichkeiten wurden schwerpunktmäßig in östlicher Richtung gesehen. Dazu waren jedoch längerfristig Flächen der Gemeinde Barbing notwendig.
 
Anfang der 60er Jahre wurde mit dem Bau des Osthafens begonnen, den die Stadt Regensburg als "Kernstück ihrer gesunden Entwicklungsmöglichkeit" (Beschluß des Stadtrats vom 22.4.1971) ansah.

Tatsächlich konnte die Stadt Regensburg aufgrund ihrer beengten räumlichen Situation größeren ansiedlungswilligen Unternehmen keine entsprechenden Gewerbeflächen mehr anbieten und auch für die geplante Kläranlage wurde sowohl seitens der Stadt als auch der Regierung ein Standort auf dem Gebiet der Gemeinde Barbing bevorzugt.

Die Stadt Regensburg beschloß daher gegen 23 der Verordnung der Regierung vom 9.4.1976, der die umstrittenen Teile der Gemeinde Barbing von der Eingliederung ausgenommen hatte mit einer Normenkontrollklage vorzugehen. Damit hatte die Stadt Erfolg. Am 5. Juli 1977 faßte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof den Beschluß, diesen 23 teilweise für ungültig zu erklären. Damit war der Weg frei für die Eingliederung der Ortsteile Irl, Irlmauth und Kreuzhof mit dem Osthafengebiet in die Stadt Regensburg. Die Eingemeindung erfolgte am 1. Januar 1978 und umfaßte 547,6 ha und 422 Einwohner. In seiner Begründung betonte der Verwaltungsgerichtshof vor allem die Sicherung der oberzentralen Aufgaben der Stadt Regensburg. Hervorgehoben wurden dabei die weitere Entwicklung des Donauhafens und die Verpflichtung "dem Oberzentrum Regensburg vornehmlich eine Entfaltungsmöglichkeit entlang der Donaulinie, insbesondere in dem für die weitere gewerbliche und industrielle Entwicklung des Großraumes Regensburg geradezu prädestinierten Gebiet zwischen der Donau sowie der Autobahn Regensburg-Passau und dem Rangierbahnhof Regensburg-Ost zu schaffen. Diesem überragenden Interesse muß der Vorrang gegenüber den lokalen Interessen, selbst gegenüber den durchaus verständlichen Existenzsorgen einer so alten, mannigfache historische Erinnerungen wachrufenden Gemeinde wie Barbing zuerkannt werden".

Gebietsentwicklung der Stadt Regensburg seit 1818
Zeitpunkt/
Zeitraum
Gebiet Einwohner Gebiets-
zunahme
Gebiets-
stand
in km2
Bestand 1818 Stadtgebiet Regensburg     17,7
1818-1924 neun stadtnahe Randgebiete wie Kumpfmühl
(1818), Karthaus Prüll (1904), Ober- und
Niederwinzer, Stadtamhof, Steinweg, Weichs,
Reinhausen, Sallern, Gallingkofen, Wutzlhofen,
Ödenthal, Schwabelweis, Keilberg (1924)
18.002 28,6 46,3
1938-1971 vier weitere am Stadtrand liegende Gemeinden
wie Ziegetsdorf, Dechbetten, Königswiesen,
Großprüfening (1938) und Gemeindeteile:
Graß teilw. (1971)
1.652 5,9 52,5
1.7.1972 Teile der Gemeinden Graß, Pentling, Oberisling
und Burgweinting
678 1,4 53,6
1.1.1975 Teile der Gemeinde Grünthal - 0,7 54,3
1.1.1977 Gemeinde Burgweinting, Harting und Oberisling 4.152 20,9 75,2
1.1.1978 Teile der Gemeinde Barbing 422 5,5 80,7
1979-1996 Verschiedene kleiner Gebiete aus Umland-
gemeinden bedingt durch Straßen- und
Wasserstraßenbau sowie Grenzbegradigungen
- -0,2 80,5

3. Entwicklung der eingegliederten Gebiete

Einwohnerentwicklung und Wohnbautätigkeit

Das Ziel der Stadt Regensburg, im südlichen Bereich der Autobahn Regensburg-Passau verstärkt Wohnnutzung zuzulassen, ist nach der Eingliederung der Gemeinden Oberisling, Burgweinting und Harting konsequent verfolgt worden. Das führte dazu, daß in den neuen Stadtbezirken 17 (Oberisling-Graß) und 18 (Burgweinting-Harting) von 1976 bis 1996 eine Zunahme der Einwohner um zusammen knapp 130% stattfand, während die Einwohnerzahl innerhalb der Stadtgrenzen vom 31.12.1976 im selben Zeitraum sogar um 0,5% zurückging.

Den Stellenwert der neu hinzugekommenen Gebiete südlich der A3 für den Bereich Wohnen dokumentierte eindrucksvoll die Planungs- und Bautätigkeit im Rahmen der "Entwicklungsmaßnahme Burgweinting". Im Anschluß an den alten Dorfkern Burgweinting wird derzeit die größte Siedlungsmaßnahme in der Geschichte der Stadt Regensburg realisiert. Auf einer Fläche von rund 93 ha sollen langfristig ca. 4.500 Wohnungen für etwa 12.000 Menschen mit einer hervorragenden Infrastruktur und hohem Freizeitwert entstehen. Burgweinting wird dann ähnlich viele Einwohner haben wie die Nachbarstadt Neutraubling heute.

Wohungsfertigstellungen und Veränderung der Einwohnerzahlen
ausgewählter Stadtteile von 1977 bis 1996

Der erste Bauabschnitt "Burgweinting-Südwest" mit insgesamt etwa 1.200 Wohnungen ist mittlerweile fertiggestellt, der zweite Bauabschnitt "Burgweinting-Mitte" mit ca. 1.000 Wohnungen wird derzeit realisiert. Die "Entwicklungsmaßnahme Burgweinting" trägt erheblich dazu bei, daß in einer angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt ein großer Teil der Nachfrage befriedigt werden kann. Als besonders wertvolles Steuerungsinstrument für die Stadt hat sich dabei die Möglichkeit der Grundstücks- bzw. Wohnungsvergabe nach sozialen Kriterien erwiesen. Damit werden entsprechende Zielgruppen auf direktem Weg gefördert, Mitnahme- und Streueffekte weitgehend ausgeschlossen. Die beschriebene Größenordnung der Entwicklungsmaßnahme Burgweinting verdeutlicht schließlich, wie wichtig die Eingemeindungen vom 1. Januar 1977 für die gesamte städtische und regionale Entwicklung waren. Keine der Umlandgemeinden Regensburgs hätte ein derart aufwendiges Projekt eigenständig durchführen können. Gleichzeitig wäre aber auch die Stadt in ihren alten Grenzen vom 31. Dezember 1976 nicht in der Lage gewesen, das notwendige Bauland für eine zusammenhängende Siedlungsmaßnahme mit insgesamt 4.500 Wohnungen nördlich der Autobahn A3 zu mobilisieren. Als Gewinner der Entwicklungsmaßnahme Burgweinting dürfen sich daher sowohl die Stadt als auch die Umlandgemeinden fühlen: Die Stadt leistet einen wichtigen Beitrag zur Lösung der wachsenden Probleme auf dem Wohnungsmarkt und reduziert dadurch die Abwanderung ins Umland; die Umlandgemeinden sind einem geringeren Zuwanderungsdruck seitens der Stadt ausgesetzt, der sich ansonsten in noch stärker steigenden Wohnungs- und Grundstückspreisen bemerkbar machen würde.

Burgweinting

Gewerbliche Entwicklung

Gegenüber der südlich der A3 (Regensburg - Passau) und westlich der Bahnlinie (Regensburg - München) ermöglichten Wohnungsbautätigkeit zielte die Eingliederung der südlich der A3 und östlich der Bahnlinie nach München gelegenen Flächen sowie der Ortsteile Irl, Irl-mauth, Kreuzhof incl. Osthafen auf eine forcierte gewerbliche Entwicklung in diesem Bereich ab.

Irl

Diese Entwicklung hat schwerpunktmäßig in Burgweinting-Harting stattgefunden. 1970 gab es hier 652 Arbeitsplätze, deren Zahl bis 1987 um 2.096 auf 2.748 Arbeitsplätze anwuchs. Dieser Zuwachs an Arbeitsplätzen ist beinahe ausschließlich auf die Ansiedlung des BMW-Werks zurückzuführen. Ende 1986 begann die Produktion mit knapp 1.800 Beschäftigten; heute, im Jahr 1998 arbeiten bereits ca. 8.000 Menschen bei BMW in Regensburg.

Harting

Wie die Verhandlungen um die BMW-Ansiedlung 1982/83 zeigten, wäre - rückbezogen auf die Situation von 1976 - weder die Stadt noch irgendeine Nachbargemeinde in der Lage gewesen, diese Ansiedlung flächenmäßig und finanziell alleine zu bewirken. Die BMW-Ansiedlung ist so gesehen auch eine Frucht der damaligen Gebietsreform. Nach der BMW-Ansiedlung wurde der gewerbliche Teil der "Entwicklungsmaßnahme Burgweinting" Schwerpunkt der Industrie- und Gewerbeansiedlungen: Während der westliche Bereich für Betriebe aus dem Logistikbereich oder damit verbundenen Dienstleistungen zur Verfügung steht, ist der östliche Bereich für Betriebe mit hochwertiger Produktionstätigkeit vorgesehen. Auf 100 ha Gewerbefläche haben namhafte Unternehmen wie AEG (fast 900 Arbeitsplätze) und Toshiba (ca. 340 Arbeitsplätze), aber auch alteingesessene Regensburger Firmen investiert.

In den ehemaligen Ortsteilen der Gemeinde Barbing hat mit der Eingliederung am 1. Januar 1978 zunächst keine gewerbliche Entwicklung in nennenswertem Umfang stattgefunden. Dies änderte sich jedoch Ende der 80er Jahre mit dem Beginn der Planungen für ein Güterverkehrszentrum, welches Straße, Schiene und Schiffahrt in enger räumlicher Verflechtung zusammenfassen sollte, um die jeweiligen Systemstärken der einzelnen Verkehrsträger optimal zu nutzen. Mittlerweile befindet sich das Güterverkehrszentrum voll in der Realisierungsphase. 35 Speditions-, Logistik-, Großhandels- und Servicebetriebe sowie ein Post- und Bahnfrachtzentrum wurden bereits angesiedelt. Im Jahr 1998 soll noch eine Anlage für den "Kombinierten Ladungsverkehr (KLV)" hinzukommen. Große Teile des Güterverkehrszentrums befinden sich dabei im Bereich der damals eingemeindeten Flächen, so auch der Osthafen, für den im Rahmen des 1992 vorgelegten Hafenentwicklungsplans zusätzliche Gewerbeflächen geplant sind.

Neben dem Güterverkehr hat sich zwischen Osthafen, Irl und der Autobahn Richtung Passau ein Standort für den großflächigen Einzelhandel mit Schwerpunkt Einrichtung, Bau- und Heimwerkerbedarf etabliert, dessen Einzugsbereich weit über die Stadtgrenzen hinausgeht. Mit der geplanten Ansiedlung eines weiteren international bekannten Einrichtungshauses wird daher der Einzelhandelsschwerpunkt noch zusätzlich an Attraktivität gewinnen.

Klinikum

Die ehemalige Gemeinde Oberisling hatte bei der Arbeitsstättenzählung 1970 gerade 47 nichtlandwirtschaftliche Arbeitsplätze und blieb auch in der Folgezeit aus der Sicht der gewerblichen Entwicklung unbedeutend. Mit dem Universitäts-Klinikum beherbergt der Stadtbezirk Oberisling-Graß jedoch nun eine Einrichtung von überragender oberzentraler Bedeutung. Nach der Teilfertigstellung des dritten Bauabschnitts sorgen hier ca. 2.500 Beschäftigte und ein Angebot von etwa 800 Betten für das Wohl der ambulant und stationär versorgten Patienten. Die Erreichbarkeit des Klinikums wird sich zudem in den kommenden Jahren durch den Autobahnanschluß "Galgenbergstraße" deutlich verbessern.

Oberisling

4. Aktuelle Probleme im Stadt-Umland-Kontext

Nachdem die oberzentrale Funktion der Stadt Regensburg im Rahmen der kommunalen Gebietsreform gestärkt worden ist, gewinnt das Stadt-Umland-Problem eine neue Dimension: Immer deutlicher treten regionale Probleme in den Vordergrund, die weder von der Kernstadt, noch vom Umland allein gelöst werden können. Zersiedelung, ein ständig zunehmender Verkehr, der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, die Standortsuche für den großflächigen Einzelhandel sowie die Belange des Natur- und Landschattschutzes sind nur einige Bereiche, die eine enge Abstimmung zwischen Stadt und Landkreis erforderlich machen. Es wird deshalb in Zukunft weniger um eine weitere Neugliederung im Raum Regensburg gehen, sondern vielmehr um ein Zusammenwirken von Stadt und Umland bei den anstehenden Aufgaben.

Graß

Verkehr

Je enger die Verflechtungen zwischen Stadt und Umland in den Bereichen Arbeit, Bildung, Versorgung und Erholung sind, desto stärker entwickelt sich der damit verbundene Verkehr. An Werktagen kommen allein etwa 60.000 Berufs- und Bildungspendler in die Stadt, der überwiegende Teil mit dem eigenen PKW.

Der Regensburger Verkehrsverbund (RVV) trägt wesentlich dazu bei, daß sich der motorisierte Individualverkehr in noch erträglichen Bahnen bewegt. Auf insgesamt 60 Buslinien wurden im Jahr 1996 ca. 27,6 Mio. Fahrgäste im Stadtgebiet und im Landkreis befördert.

Um auch künftig ein sinnvolles Nebeneinander von öffentlichem Verkehr und Individualverkehr zu gewährleisten, hat die Stadt 1994 einen neuen Gesamtverkehrsplan vorgelegt, dessen Überlegungen auch die Belange des Umlands einschließen.

Leoprechting

Großflächiger Einzelhandel

In den vergangenen Jahren haben sich vermehrt großflächige Einzelhandelsbetriebe ihren Standort im Umland der Stadt Regensburg gesucht. Schwerpunkte der Ansiedlung waren die Nachbarstadt Neutraubling und die Gemeinde Pentling. Die Grundproblematik derartiger Einzelhandelsansiedlungen vor den Toren der Stadt liegt darin, daß sie aufgrund der überdimensionierten Verkaufsflächen große Einzugsbereiche bilden und damit viel Kaufkraft abschöpfen. Vor allem durch die Etablierung innenstadtrelevanter Sortimente z.B. Textilwaren, Schuhe etc.) auf der "grünen Wiese" wird die Funktionsfähigkeit gewachsener zentraler Standorte gefährdet - sowohl in der Stadt Regensburg, aber auch in den Nachbargemeinden selbst.

Damit die Stadt und die Umlandgemeinden bei solchen Vorhaben nicht gegeneinander ausgespielt werden, ist eine wesentlich stärkere Kooperation in diesem Bereich anzustreben.

Erholung und Landschaftsschutz

Eines der ältesten Beispiele für die fruchtbare Zusammenarbeit von Stadt und Umland ist die Gründung des Vereins für Naherholung im Raum Regensburg e.V. am 20. Januar 1971. Heute gehören dem Verein neben der Stadt und dem Landkreis Regensburg 29 Kommunen sowie 18 Verbände, Vereine und Privatpersonen an.

Zweck des Naherholungsvereins ist vor allem

die Sicherstellung überörtlicher Erholungsflächen
 
die Planung, bauliche und landschaftsgärtnerische Gestaltung überörtlicher Erholungsflächen sowie - die Beratung, insbesondere von Gemeinden, in Fragen der Naherholung.

Auch auf dem Gebiet des Landschafts- und Gewässerschutzes arbeiten Stadt und Landkreis eng zusammen. Landschaftsschutzgebiete, Wasserschutzgebiete und Bannwälder sind meist großräumig und grenzüberschreitend, so daß die Ausweisungen der schutzwürdigen Flächen in enger Abstimmung mit der jeweils anderen Gebietskörperschaft erfolgen.

5. Abschließende Bewertung und Ausblick

Die "Stadt-Umland-Komission" der Staatsregierung hob in ihrem 1974 veröffentlichten Gutachten mit Nachdruck die Bedeutung der Kernstadt als Oberzentrum hervor. Sie verwies auf das landesplanerische Ziel, die Stadt Regensburg als Wirtschafts- und Versorgungszentrum der Region und in ihrer Entlastungsfunktion für die großen Verdichtungsräume München und Nürnberg/Fürth/Erlangen zu stärken. Heute, 25 Jahre danach, kann aus der Sicht der Stadt Regensburg folgendes Resümee gezogen werden:

Die Vorschläge der Kommission zur Neugliederung im Raum Regensburg waren, was die Kernstadt betrifft, richtig und weitsichtig. Die Gebietsreform war notwendig und hat sich, aus der Sicht der Stadt, gut bewährt.
 
In den eingemeindeten Gebieten vollzieht sich schwerpunktmäßig die Entwicklung in den Bereichen Gewerbe und Wohnen. Wichtige zentralörtliche Einrichtungen, wie das Universitätsklinikum, haben ihren Standort in den eingemeindeten Gebieten gefunden. Weitere Großprojekte, wie das geplante Güterverkehrszentrum und die Neuordnung des Hafens, werden folgen.
Die Stadt Regensburg hat insgesamt gesehen durch die Gebietsreform eine deutliche Stärkung ihrer oberzentralen Funktion erfahren. Hiervon profitiert selbstverständlich auch die Region, denn die Zunahme von Arbeitsplätzen, Wohnungen und die Vorhaltung von zentralen Einrichtungen in der Kernstadt kommen auch den Bürgerinnen und Bürgern im Umland zugute. Von den über 100.000 Beschäftigten in den Betrieben der Stadt Regensburg haben weit mehr als die Hälfte ihren Wohnsitz im näheren und weiteren Umland.

Auf die Stadt Regensburg werden in Zukunft vermehrt Aufgabenstellungen zukommen, die ohne die Gebietsreform nicht bewältigt werden könnten. Die Gebietsreform hat die Stadt in die Lage versetzt, auch künftig Flächen für die Ansiedlung zukunftssicherer Arbeitsplätze anbieten und damit konkurrenzfähig bleiben zu können. Sollte sich die Kernstadt im europäischen Binnenmarkt behaupten, wird dies auch positive Effekte für die gesamte Region haben.

Die Wahrnehmung oberzentraler Aufgaben äußert sich jedoch nicht nur in einem entsprechenden Flächenbedarf, sondern erfordert auch eine ausreichende finanzielle Ausstattung. Die Verkehrs-, Arbeits-, Bildungs-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen der Stadt sollen natürlich von den Bürgerinnen und Bürgern aus dem Umland mitgenutzt werden. Unzweifelhaft ist aber, daß der Stadt daraus ständig steigende Kosten entstehen. Die Stadt fordert daher, stärker als bisher am kommunalen Finanzausgleich beteiligt zu werden.

Da in Zukunft vermehrt Aufgaben im übergemeindlichen Zusammenhang anfallen, müssen zunehmend Kooperationsmodelle nicht nur zwischen Stadt und Umlandgemeinden gefunden werden, sondern auch im regionalen Maßstab. Dies setzt ein stärker ausgeprägtes "Regionalbewußtsein" bei allen Beteiligten voraus, möglicherweise auch wirkungsvollere Instrumente als bisher. Stadt, Landkreis und Umlandgemeinden sollen und müssen die gestellten Aufgaben und die damit verbundenen Chancen freiwillig und weitsichtig kooperativ angehen, zum Nutzen aller.

Universitätsklinikum und Universität